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Digitale Mitarbeiterempfehlungsprogramme sind der neuste Trend im Personalmarketing. Die drei großen Player heißen Talentry, firstbird und Eqipia. Doch was sind die Unterschiede und wie kann man Sie einsetzen?

Für Unternehmen ist es in den vergangenen Jahren immer schwieriger geworden, offene Stellen mit qualifizierten Fachkräften zu besetzen. Denn plötzlich stehen die Bewerber nach einer Stellenanzeige nicht mehr Schlange – viel eher sind es jetzt die Unternehmen, die um ihre Kandidaten werben müssen. Neue Begriffe entstehen und versuchen das Phänomen zu beschreiben: So hat sich der Arbeitsmarkt beispielsweise zum „Bewerbermarkt“ entwickelt. Auf diesem kann ein Unternehmen nur noch dann gute Mitarbeiter finden, wenn es eine „Employer Brand“ etabliert und – noch viel wichtiger – „Active Sourcing“ betreibt. Unternehmen präsentieren sich auf Messen, posten ihre Anzeigen in sozialen Netzwerken und legen ihr eigenes Karriereportal im Internet an – es wird sozusagen alles getan, um die potentielle Arbeitskraft irgendwie zu erreichen. Das zeigt zwar auch Wirkung. Doch die Ergebnisse könnten noch viel besser sein. Eine Methode, die vielen Unternehmen beim Kampf um die Fachkräfte entgeht, sind die digitalen Mitarbeiterempfehlungsprogramme. Denn Studien zeigen, dass gerade dieser Ansatz unter den Rekrutierungsmaßnahmen sehr gute Erfolge erzielen und gleichzeitig noch Zeit und Kosten sparen kann. Erfahren Sie in diesem Artikel mehr darüber, was ein Mitarbeiterempfehlungsprogramm ist und wie Sie die Methode Mitarbeiter-werben-Mitarbeiter für Ihr Unternehmen nutzen können.

 

Was sind digitale Mitarbeiterempfehlungsprogramme?

Herr Müller ist schon seit einigen Jahren für Ihr Unternehmen tätig und Sie sind völlig zufrieden mit seiner Leistung. Es wäre deswegen wunderbar, wenn Sie noch eine Arbeitskraft wie Herrn Müller hätten, mit der Sie die neue Stelle in Ihrem Unternehmen besetzen könnten. Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, Herrn Müller zu fragen, ob er eine Person kennt, die für diese Stelle geeignet wäre? Vielleicht sollten Sie einen Versuch wagen, denn Erkenntnissen zu Folge stehen die Chancen gut, dass gute Mitarbeiter auch Personen mit ähnlichen Qualitäten kennen. Dies ist der grundlegende Ansatz eines Mitarbeiterempfehlungsprogramms, der zudem noch wissenschaftlich belegt ist.

Mitarbeiterempfehlungsprogramme werden im Rahmen der Personalbeschaffung eines Unternehmens eingesetzt. Man geht davon aus, dass leistungsstarke Arbeitnehmer auch Personen mit vergleichbaren Eigenschaften empfehlen können, die zudem gut zum Unternehmen passen. Der Kosten- und Zeitaufwand für diese Methode des Recruiting ist im Vergleich zu anderen Maßnahmen relativ gering. Mitarbeiter werden auf eine offene Stelle hingewiesen und darum gebeten, Personen aus ihrem Bekanntenkreis, welche die geforderten Fähigkeiten besitzen und die zur Unternehmenskultur passen, zu empfehlen – ganz nach dem Motto Mitarbeiter-werben-Mitarbeiter. Wird die empfohlene Person schließlich eingestellt, zahlt das Unternehmen einen Bonus an den Mitarbeiter oder setzt andere – materielle als auch immaterielle – Anreize ein, um die Angestellten zu einer Empfehlung zu motivieren. Der Kontakt zu einer vorgestellten Arbeitskraft erfolgt meist nicht über die Personalabteilung des Unternehmens, sondern über ein Personalberatungsunternehmen.

 

Welche Vorteile bieten digitale Mitarbeiterempfehlungsprogramme?

Immer mehr Unternehmen setzen ein digitales Empfehlungsprogramm ein, um ihre Traumkandidaten zu finden. Von einer solchen digitalen Lösung können Unternehmen als auch deren Mitarbeiter profitieren. An der Spitze der Vorteile stehen Zeit- und Kostenaspekte, denn eine technische Lösung kann die Ausgaben für die Personalbeschaffung und die Zeiten bis zur erfolgreichen Einstellung um mehr als die Hälfte reduzieren. Zudem bündelt ein solches Programm die Rekrutierungsmaßnahmen eines Unternehmens und schafft eine unternehmensübergreifende Plattform, auf die Personalbeauftragte und Mitarbeiter überall und zu jeder Zeit zugreifen können – auch nach der Arbeit über das Smartphone. Ein digitales Empfehlungsprogramm eröffnet vielfältige Möglichkeiten, da es u.a. verschiedene soziale Netzwerke, die von Mitarbeitern genutzt werden und für das Recruiting relevant sind, integriert. Dazu gehören Karriereplattformen wie LinkedIn und XING, aber auch Facebook ist möglich. Selbst der Instant-Messenger WhatsApp wird häufig integriert. Somit entsteht pro Mitarbeiter ein Netzwerk von mehr als einhundert Personen, die dem Unternehmen theoretisch als potentielle Kandidaten empfohlen werden können. Auf diese Weise kommt das Unternehmen über die Methode Mitarbeiter werben Mitarbeiter auch in Kontakt mit zahlreichen Personen, die es über andere Maßnahmen nicht erreicht hätte.

Das digitale Mitarbeiterempfehlungsprogramm verspricht zudem ein Maß an Effizienz, das man bei anderen Methoden der Personalbeschaffung kaum vorfindet: Fast 50% der empfohlenen Kandidaten werden am Ende auch von den Unternehmen eingestellt. Außerdem ist die Wahrscheinlichkeit wesentlich höher, dass diese dem Unternehmen langfristig erhalten bleiben, da sie sich besser mit der Unternehmenskultur identifizieren können. Zudem bringen sich Mitarbeiter gerne in den Prozess der Mitarbeiterempfehlung ein, denn die Möglichkeit, sich über das Konzept Mitarbeiter werben Mitarbeiter an der Entscheidungsfindung im Unternehmen beteiligen zu können, motiviert – außerdem lockt ein lukrativer Bonus. Im Vergleich zu einem manuellen System bleibt dem Unternehmen durch ein digitales Empfehlungsprogramm nicht zuletzt auch ein enormer Verwaltungsaufwand erspart. Zusätzlich lassen sich auf einfache Weise wichtige Kennzahlen zur Erfolgskontrolle ermitteln.

Im Folgenden stellen wir Ihnen die wichtigsten digitalen Mitarbeiterempfehlungsprogramme auf dem Markt vor.

 

Welche drei großen Anbieter gibt es aktuell?

Zu den drei großen Anbietern für digitale Empfehlungsprogramme im deutschsprachigen Raum zählen Talentry, Firstbird und Eqipia. Talentry hat sich unter diesen Anbietern als marktführendes Unternehmen durchgesetzt. Zu den Kunden des Anbieters zählen u.a. die ProSiebenSat.1 Media AG und die Dr. Eckert GmbH. Mit diesem EmpfehlungsManager sollen sich die Kosten pro Einstellung um 75% und die Zeit bis zur Stellenbesetzung um 50% senken lassen. Pro Mitarbeiter kann ein Netzwerk von bis zu 133 potentiellen Mitarbeitern generiert werden. Den Angaben des Anbieters Firstbird zufolge können die Einstellungskosten um 30 bis 50% reduziert werden. Zudem konnten Kunden bis zu 35% der Angestellten über den Service gewinnen. Eqipia wirbt zudem mit einer Verkürzung der Zeit bis zur Stellenbesetzung um 55%. Zudem bleiben bis zu 47% der über den EmpfehlungsManager geworbenen Mitarbeiter auch noch drei Jahre nach Einstellung dem Unternehmen treu.

 

Talentry

Der Anbieter ist ein im Jahr 2012 in München gegründetes Start-up-Unternehmen. Mit dem gleichnamigen digitalen Empfehlungsprogramm wird es einem Unternehmen ermöglicht, eine Online-Plattform zu schaffen, auf der Personalverantwortliche des Unternehmens offene Stellen bekanntgeben und Mitarbeiter direkt per Newsletter darüber informieren können. Auf diese Weise haben Mitarbeiter stets Kenntnis über interessante Positionen im Unternehmen. Der „Job-Alert“ verhindert, dass ein Mitarbeiter über Stellen informiert wird, die gar nicht zu seinem Profil oder seinem Netzwerk passen. Interessante Anzeigen können diese schließlich innerhalb des Mitarbeiterempfehlungsprogramms auch an Bekannte aus ihrem persönlichen Netzwerk weiterleiten. Damit möglichst viele Personen angesprochen werden können, integriert das Portal zahlreiche soziale Netzwerke. Zu diesen zählen Facebook, Twitter, LinkedIn und XING. Stellenanzeigen können auch via E-Mail und WhatsApp verschickt werden. Um zu vermeiden, dass Mitarbeiter potentielle Kandidaten versehentlich auslassen, denkt das Empfehlungsprogramm für diese mit. Dank eines Algorithmus erkennt die Software, welche Personen im persönlichen Netzwerk eines Mitarbeiters zu einer Stellenausschreibung passen, und schlägt diese dem Mitarbeiter entsprechend vor. Wurde schließlich ein vorgeschlagener Kandidat eingestellt, können Personalverantwortliche über das Programm ganz einfach nachverfolgen, von wem die Empfehlung ursprünglich ausging.

Das digitale Empfehlungsprogramm enthält Analyse-Tools mittels derer es möglich ist, wichtige Kennzahlen zu ermitteln. So lässt sich beispielsweise feststellen, aus welchem sozialen Netzwerk die meisten Kandidaten empfohlen wurden. Außerdem besitzt es ein eigenes Bewerbermanagementsystem, kann aber auch in ein bestehendes integriert werden. Das Programm wird zudem in mehreren Sprachen und als App für alle gängigen Systeme und Geräte angeboten.

 

Firstbird

Dies ist ein im Jahr 2013 in Wien gegründetes Start-up. Mit Hilfe dieses Mitarbeiterempfehlungsprogramms sind Unternehmen in der Lage, ihre Mitarbeiter auf spielerische Art und Weise zur Empfehlung von Jobkandidaten zu animieren. Der Anbieter wirbt mit seiner Einfachheit: So lässt sich in wenigen Minuten ein Account auf dem Internetportal einrichten. Die Mitarbeiter werden im Rahmen des Programms zu „Talent-Scouts“. Sie können je nach Belieben verschiedene soziale Netzwerke – u.a. Facebook, Google Plus, LinkedIn und Twitter – mit dem eigenen Account verknüpfen und Stellenanzeigen auf diesen Portalen posten. Dank des integrierten „Jobfilters“ sind Mitarbeiter in der Lage, selbst zu entscheiden, welche Stellenanzeigen ihnen vorgeschlagen werden. Haben diese einen potentiellen Kandidaten in ihrem Netzwerk gefunden, können sie ein Empfehlungsschreiben für diese Person formulieren und diese per Klick über die Stelle informieren. Damit sich Mitarbeiter noch motivierter in das Programm einbringen, wurden verschiedene spielerische Elemente integriert: So erhalten Angestellte nicht nur für eine erfolgreiche Bewerbung eine Prämie, sondern auch für das Erreichen von Zwischenstufen – beispielsweise eine bestimmte Anzahl an Empfehlungen. Diese Prämien kann der Arbeitgeber beliebig in dem EmpfehlungsManager festlegen. Darüber hinaus sammelt der Mitarbeiter Punkte, mit denen er im Unternehmensranking aufsteigen kann. Auf seinem Newsfeed erhält er Einblick über seinen Punktestand und erhaltene Prämien. Außerdem kann er einsehen, wenn andere Mitarbeiter eine Person empfohlen haben oder eine Bewerbung erfolgreich war. Dadurch und auch durch zeitlich begrenzte Stellenausschreibungen werden Mitarbeiter noch einmal zusätzlich motiviert.

Dank integrierter Werkzeuge lassen sich Statistiken und alle Fortschritte im Empfehlungs- und Bewerbungsprozess einsehen. Das Programm ist für Unternehmen kostenlos nutzbar, wenn diese mit verschiedenen Einschränkungen leben können: So lässt sich bei diesem beispielsweise nur ein Recruiter-Account und eine Prämie anlegen. Dies eignet sich für Teams und kleinere Unternehmen. Größere Unternehmen sind auf ein monatliches Abonnement ab 99€ angewiesen. Das digitale Empfehlungsprogramm ist auf verschiedenen Geräten und Systemen einsetzbar.

 

Eqipia

Dieses digitale Empfehlungsprogramm wurde ursprünglich von der Schweizer BuddyBroker AG entwickelt. Das Unternehmen wurde im Jahr 2016 von der Social-Media-Plattform XING übernommen. Der EmpfehlungsManager lässt sich leicht mit anderen Tools im Rahmen des Bewerbermanagements und der Mitarbeiterempfehlung verknüpfen. Stellenanzeigen können auf einfache Weise importiert werden. Danach gleicht das Programm das Anzeigenprofil mit dem Netzwerk der Mitarbeiter ab. Der Vorteil dabei: Das Empfehlungsprogramm informiert die Mitarbeiter sofort zu Personen in deren Netzwerk, die gut zu einer Stelle passen. Somit müssen Mitarbeiter nicht eigenständig ihre Kontakte nach passenden Kandidaten durchsuchen. Nichtsdestotrotz können Anzeigen auch individuell per E-Mail verschickt und beliebig auf anderen Netzwerken gepostet werden. Nachdem ein potentieller Kandidat über eine Stelle informiert wurde, kann dieser mithilfe des Portals einen Einblick in den potentiellen Arbeitgeber erhalten. Dazu kann ein Unternehmen im Voraus auf der Plattform zu jeder Stellenanzeige Teams anlegen, in denen die zukünftigen Kollegen enthalten sind. Beliebig lassen sich auch zusätzliche Bilder und Informationen hinzufügen. Je nachdem über welches soziale Netzwerk sich ein Kandidat anmeldet, werden ihm die gemeinsamen Kontakte mit den Teamkollegen angezeigt. Der Erfolg aller Prozesse lässt sich schließlich mittels integrierter Statistikwerkzeuge kontrollieren.

 

Fazit

Digitale Mitarbeiterempfehlungsprogramme versprechen eine Revolution der Personalbeschaffung: Auf kostengünstige und zeitsparende Weise sollen sich damit Mitarbeiter finden lassen, die nicht nur gut qualifiziert sind, sondern sich auch mit der Unternehmenskultur identifizieren können und dem Arbeitgeber auch noch nach Jahren treu bleiben. Das Prinzip, das dahintersteckt: Mitarbeiter-werben-Mitarbeiter. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass ein qualifizierter Mitarbeiter Personen kennt, die vergleichbare Qualitäten besitzen – das haben Studien gezeigt. Lockt zudem bei erfolgreicher Vermittlung ein lukrativer Bonus, sind Mitarbeiter gleich noch mehr motiviert, Kandidaten zu suchen und zu empfehlen.

Manuelle Ansätze der Mitarbeiterempfehlung sind in der Regel mit einem enormen Verwaltungsaufwand verbunden. Deswegen haben wir Ihnen in diesem Aritkel drei digitale Empfehlungsprogramme vorgestellt. Alle drei Anbieter unterscheiden sich in ihrem Funktionsumfang. Der Marktführer Talentry bietet ein tolles Rundumpaket für Recruiter und Mitarbeiter: Angestellte werden auf einfache Art und Weise über neue Stellenangebote informiert und können diese dann mit ihrem Netzwerk teilen. Das Programm denkt für die Mitarbeiter mit, denn es werden nur Stellen gezeigt, die für diese und deren Netzwerk relevant sind. Außerdem wird das Netzwerk nach geeigneten Kontakten durchsucht. Zudem enthält der Manager Statistik- und Analyse-Tools, um Empfehlungs- und Bewerbungsprozesse überwachen zu können. Der Anbieter Firstbird versucht hingegen über spielerische Elemente, Mitarbeiter zu Empfehlungen zu motivieren. Über einen integrierten Filter können diese zunächst selbst entscheiden, welche Stellen ihnen angezeigt werden. Für Empfehlungen und erfolgreiche Bewerbungen erhalten Mitarbeiter Punkte, mit denen sie auf der integrierten Rangliste nach oben steigen. Außerdem werden Stellenanzeigen meist mit Zeitbeschränkung eingestellt, sodass Angestellte zusätzlich motiviert werden, nach geeigneten Kandidaten zu suchen. Auch der Anbieter Eqipia nimmt den Mitarbeitern die Sucharbeit ab, denn über den integrierten Algorithmus erkennt das Programm sofort Personen im Netzwerk, die zu einer Stelle passen. Angestellte werden daraufhin automatisch informiert. Das Tool bietet außerdem für potentielle Kandidaten die Möglichkeit, noch vor der Bewerbung einen Einblick in das Unternehmen zu erhalten. Unternehmen können dazu Teams anlegen – ein Bewerber kann somit bereits seine zukünftigen Kollegen kennenlernen und sich gemeinsame Kontakte anzeigen lassen.

Digitale Empfehlungsprogramme machen sich die sozialen Netzwerke der Unternehmensmitarbeiter zu Nutze. Dadurch lassen sich nicht nur Kosten einsparen, sondern auch Angestellte motivieren. Die hier vorgestellten Konzepte haben dies auf attraktive und innovative Weise gezeigt. Zusätzlich bieten sie Schnittstellen an, mittels derer sich das Konzept Mitarbeiter werben Mitarbeiter auch mit anderen Maßnahmen der Personalbeschaffung und des Bewerbermanagements verknüpfen lässt. Damit sind digitale Mitarbeiterempfehlungsprogramme eine praktische und vielversprechende Alternative zu den herkömmlichen Kanälen des Recruiting.