studienabbrecher

Nicht nur die Anzahl von Schulabgängern, die sich für ein anschließendes Studium entscheiden, ist stetig steigend, sondern auch die der Studienabbrecher. So trivial dieser Zusammenhang auch erscheinen mag, die Bedeutung für den Arbeitsmarkt ist beachtlich. Denn dadurch werden potenzielle Arbeitnehmer freigesetzt. Vor allem verfügen sie über eine solide schulische Grundausbildung, die Voraussetzung für die Ausbildung von Fachkräften ist. Gerade deswegen werden Studienabbrecher in verschiedenen Branchen als Potenzial betrachtet. Aber sind sie tatsächlich als zukünftige Fachkräfte geeignet?

 

Keine Lust oder zu wenig Geld? Studienabbrecher und ihre Gründe

Der Abbruch eines Studiums ist längst keine Seltenheit mehr. Nach aktuellen Studien sind es zehntausende Studenten, die sich bereits nach wenigen Semestern exmatrikulieren lassen. Zuletzt immerhin 28 bis 30 Prozent im Jahr. Zu den Hauptmotiven zählen dabei vor allem:

  • Leistungsprobleme (20 %),
  • finanzielle Nöte (19 %) und
  • eine mangelnde Studienmotivation (18 %).

Das erinnert stark an die Generation Y, die lange Zeit wegen vermeidlicher Leistungsverweigerung und einer zu starken Fokussierung auf Sicherheit, aber auch auf Selbstverwirklichung gerügt wurde. Inzwischen weiß man hingegen: sie legt Wert auf eine solide Work-Life-Balance und auf aktive Beteiligung. Ähnlich sind auch Studienabbrecher zu betrachten.

Bachelor- und Masterstudiengänge haben den Fokus von Bildung auf Leistung verschoben. Viele Studenten sind auf Nebenjobs angewiesen, um die Studien- und Lebenshaltungskosten bestreiten zu können. Und die Vielzahl von Studiengängen erhöht die Wahrscheinlichkeit von Fehlentscheidungen. Ein Abbruch des Studiums liegt da durchaus nahe. Das heißt allerdings nicht, dass die Studienabbrecher für eine Berufsausbildung ungeeignet sind. Die Anstellung gestaltet sich lediglich in Teilbereichen etwas anders.

 

Studienabbrecher rekrutieren und beschäftigen – Besonderheiten

Bereits die Anforderungen an eine Beschäftigung weisen im Fall der Studienabbrecher bestimmte Besonderheiten auf. Im Regelfall verfügen sie über keine formale Berufsqualifikation. Sie benötigen also eine entsprechende Berufsausbildung. Andererseits weisen sie meistens ein etwas höheres Alter als reguläre Auszubildende auf und sie verfügen bereits über weiterführende Kenntnisse. Für Studienabbrecher bietet sich daher insbesondere eine duale Ausbildung an. Berufsbegleitende oder duale Studiengänge könnten hingegen negative Assoziationen hervorrufen und die Bewerberzahl reduzieren.

Daneben ist der Beweggrund für den Studienabbruch ein äußerst empfindliches Thema. Während sich finanzielle Gründe vergleichsweise einfach einordnen und Leistungsprobleme mit standardisierten Tests bewerten lassen, gestaltet sich dies im Falle der mangelnden Motivation deutlich schwieriger. Es erfordert eine gehörige Portion Fingerspitzengefühl, um Motivationsgründe mit einem Studienabbrecher zu erörtern und zu ergründen. Aber selbst wenn dies gelingt, lassen sich die Ausführungen nur schwerlich auf die berufliche Qualifikation übertragen.

Insofern empfiehlt es sich, die Studienabbrecher selbst ausführen zu lassen, inwiefern ihre Beweggründe der beruflichen Ausbildung nicht entgegenstehen. Plausible, nachvollziehbare Ausführungen legen es dabei nahe, dass sich der jeweilige Bewerber ausreichend mit dem Studienabbruch auseinandergesetzt und bewusst dafür entschieden hat. In diesem Fall wird auch die Entscheidung für eine berufliche Ausbildung bewusst getroffen worden sein.

 

Studienabbrecher anwerben – Strategien

Unternehmen stehen verschiedene Wege offen, um sich einen Zugang zur potenziellen Bewerbergruppe der Studienabbrecher zu verschaffen. Dabei ist einerseits zu beachten, dass nur die wenigstens Studenten die Beratungsleistungen der Universitäten, Kammern oder Vermittlungsagenturen in Anspruch nehmen, wenn sie ihr Studium abbrechen. Andererseits kann aber der Beratungsbereich der Studienfinanzierung interessante Kooperationsmöglichkeiten mit den Beratungsstellen ermöglichen. Dabei kann zum Beispiel die finanzielle Unterstützung des Studiums im Rahmen der Berufsausbildung angeboten werden. So ließe sich zumindest ein großer Teil der Zielgruppe ansprechen.

Genauso ist die klassische Stellenanzeige ein geeignetes Mittel, um Studienabbrecher auf das Unternehmen aufmerksam zu machen. Hinweise, dass der Ausbildungsberuf auch für ehemalige Studenten geeignet ist oder auf spätere Möglichkeiten zur Fortsetzen des Studiums, können ihr Interesse wecken. Auch dann, wenn den potenziellen Bewerbern ein konkreter Praxisbezug fehlte.

Von besonderer Wichtigkeit ist schließlich die Präsenz an und Kooperation mit Hochschulen. Da die meisten Studienabbrecher natürlich während des Studiums ihren Entschluss fassen und sich damit beschäftigen, sind regelmäßige Veranstaltungen und Angebote, wie zum Beispiel Praktikumsplätze, unabdingbar. Die Studienabbrecher können dabei bereits auf alternative Bildungswege aufmerksam gemacht und frühzeitig für spätere Bewerbungsverfahren gewonnen werden. Insbesondere bei Praxisprojekten mit Lehrstühlen. Es ist allerdings zwingend darauf zu achten, dass der Studienabbruch durch diese Maßnahmen nicht gleichzeitig attraktiver gemacht wird. Daher empfiehlt sich eine enge Zusammenarbeit und Abstimmung mit den Hochschulen. Nicht zuletzt auch wegen der diversen Vorteile, die Studienabbrecher als zukünftiger Fachkräftenachwuchs zu bieten haben.

 

Studienabbrecher als Beschäftige – Vorteile

Neben den Besonderheiten bei der Rekrutierung und Auswahl geeigneter Bewerber aus dem Kreis der Studienabbrecher, ist deren Ausbildung ansonsten wenig außergewöhnlich. Sind die anfänglichen Hürden überwunden wurden, bietet ihre Ausbildung sogar verschiedene Vorteile. Dazu gehören insbesondere:

  • Kürzere Ausbildungszeiten. Da die Hochschulzugangsberechtigung im Regelfall auf die Ausbildungszeit angerechnet werden kann, wird die Ausbildung verkürzt.
  • Eine unproblematische Integration in bereits bestehende Ausbildungsgruppen. Dies folgt nicht zuletzt aus dem Umstand, dass Studienabbrecher im Regelfall bereits etwas mehr Lebenserfahrung haben und die Integration in neue Gruppen durch ihr vorzeitig beendetes Studium bereits gewohnt sind.
  • Sie bieten außerdem Kostenvorteile, da sie geringere Gehälter als reguläre Hochschulabsolventen beziehen. Dazu ist gleichzeitig festzustellen, dass sie dennoch ähnlichen Tätigkeiten wie die Letztgenannten im Unternehmen nachgehen. Dies legt natürlich vor allem darin begründet, dass die Tätigkeiten häufig dem Fachbereich des vorherigen Studiums entsprechen.

Unternehmen, die bereits Studienabbrecher ausgebildet und angestellt haben, berichten außerdem von einer hohen Loyalität der späteren Fachkräfte. Sie sollen sich zudem durch ein außerordentlich hohes Engagement und eine hohe Motivation auszeichnen. Mit Blick auf die häufigsten Gründe für den Studienabbruch, ist das wiederum wenig verwunderlich. Zum einen erhalten sie schließlich vom jeweiligen Unternehmen eine Chance, eine besserbezahlte Anstellung zu erreichen. Zum anderen können sie ihr Studium ggf. zu einem späteren Zeitpunkt wiederaufnehmen.

 

Studienabbrecher als Fachkräftenachwuchs

Da hinlänglich bekannt ist, dass der Fachkräftemangel in den nächsten Jahren weiter zunehmen wird, sind viele Unternehmen bereits mit der Aufgabe konfrontiert, geeignete Maßnahmen für die fortlaufende Gewinnung von Mitarbeitern einzuleiten. Die Gruppe der Studienabbrecher bietet diesbezüglich verschiedene Vorzüge, wie die vorherigen Ausführungen zeigen. Aber nicht nur die Zielgruppe selbst oder eine mögliche Kostenersparnis machen entsprechende Bemühungen so interessant.

Die Rekrutierungsmaßnahmen lassen sich problemlos, vor allem aber sinnvoll mit einer Employer Branding Strategie kombinieren. Dies gilt umso mehr hinsichtlich der Präsenz an Hochschulen und Universitäten. Einerseits sind zwar verschiedene Besonderheiten mit der Anwerbung und Einstellung von Studienabbrechern zu beachten, insbesondere hinsichtlich der Bewerberauswahl. Zum anderen bietet diese besondere Zielgruppe aufgrund bereits vorhandener Kenntnisse das Potenzial, einen positiven Beitrag gegen den Fachkräftemangel zu leisten.