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Snapchat und Personalmarketing: Passt das? Wir geben wichtige Hinweise und klären auf.

Immer wieder hört man von Experten den viel beschworenen Satz „Sie müssen da aktiv sein, wo sich die Zielgruppe aufhält!“ Macht ja auch irgendwie Sinn, und so stürzen sich aus dieser Maxime heraus Recruiter und Agenturen auf jedes „Zielgruppenmedium“, das gerade der neue aufzugehende Star zu sein scheint und Rettung im Wettstreit um junges, engagiertes, kluges Personal verspricht. Jüngster dazu auserkorener Heilsbringer: SnapChat! – Aber schauen wir uns einmal an ob und, wenn ja, wem SnapChat gute Dienste leisten kann.

 

SnapWas … ist das und was kann es?

SnapChat ist ein kostenloser Instant Messaging Dienst, der 2011 ins Leben gerufen wurde. Ursprünglich für die direkte Kommunikation entworfen, kann man heute neben diesem Kerninhalt – also Bilder und kurze Videosequenzen direkt an seine Kontakte zu senden, die sich innerhalb kurzer Zeit wieder von selbst vom Gerät löschen –auch Stories öffentlich unter seinem Account erstellen. Diese Inhalte bleiben 24 Stunden für jeden, der darüber stolpert oder dem Account folgt abrufbar. Dabei kann man seine Snaps über diverse Filter (Perücken, Verfremdungen, Spezialeffekte), Text, Emojis und eigene Zeichnungen bearbeiten und zu einzigartigen Kreationen machen. Insbesondere die Filter sind das (zugegeben sehr unterhaltsame) Erfolgsgeheimnis des Dienstes.Im Zentrum der App für mobile Geräte steht die Erstellung eigener Snaps für Freunde oder die Öffentlichkeit (Stories). Keine Pinnwand und kein Newsfeed erscheinen als Startframe auf dem Smartphone – die aktivierte Kamera des eigenen Gerätes begrüßt sofort beim Öffnen der App.

 

Sollte man SnapChat für Recruiting nutzen?

Ganz klar: Ja und nein! Verstanden? Dann so: Natürlich sollte man bedenken, dass SnapChat als neuer(er), jünger(er) Dienst einen gewissen Pull Effekt besitzt. Insbesondere Jugendliche nutzen SnapChat verstärkt ja sogar inflationär. Mehrere Milliarden Videoaufrufe täglich lassen daran keinen Zweifel. Ohne hier Zahlen zu nennen, denn diese wären innerhalb weniger Tage veraltet, lässt sich klar feststellen, dass SnapChat Facebook und Instagram in den Nutzungsstatistiken bei Jugendlichen (13 bis 24 Jahre) in den Schatten stellt. Das liegt nicht zuletzt daran, dass Facebook mit seiner Nutzerschaft „erwachsener“ geworden ist und Jugendliche nicht im selben Netzwerk wie ihre Eltern abhängen wollen und SnapChat eben ihnen einfach etwas ganz anderes bietet – es ist einfach überraschender.

Was bedeutet das für Personalverantwortliche? Nun, die Zielgruppe insbesondere im für das Ausbildungsmarketing relevanten Alter ist auf jeden Fall auf SnapChat unterwegs. Dennoch gilt es zwei Fragen für sich selbst zu beantworten: Will mich die Zielgruppe hier haben? Die Antwort –wahrscheinlich nicht, aber: Hier kann man pragmatisch argumentieren. Wenn – und dies sollte bei jeder Social Media Strategie der Fall sein – mein Unternehmen mit Content aufwarten kann, der interessant, unterhaltend und ein Mehrwert für die Nutzer ist, dann spricht inhaltlich nichts dagegen.Weiterhin – wer nichts vom Account weiß, der wird sich auch nicht von Snaps und Stories belästigt fühlen. Dieser Ansatz ist sowohl pragmatisch als auch realistisch. Denn SnapChat ist kein Netzwerk, in dem man über Hashtag-Salven oder durch Werbung im Newsstream auf sich aufmerksam machen kann.

Hier müssen andere Wege gegangen werden.Man sollte nicht vergessen, jeder Social Media Kanal bedarf entsprechender personeller Ressourcen. SnapChat ist pflegeaufwendig und gerade beim Einstieg kann es trotz gut(gemeinter) Strategie viel experimentieren erfordern. Außerdem müssen die Aktivitäten sinnvoll in die bestehenden Kanäle integriert werden, um hierüber Reichweite für das neue Medium generieren zu können.

 

Vielversprechende Ansätze

Grundsätzlich geht es darum, dass authentisch kommuniziert wird. Auch das ist für viele eine altbekannte Weisheit. Nur kaum ein anderes Medium verleitet so zur übertriebenen Verspieltheit wie SnapChat. Das ist Fluch und Segen zugleich. Bevor man sich mit seinen Snaps mit vielen Blümchen, Kritzeleien oder dergleichen lächerlich macht, sollte man lieber einen Gang zurückschalten und sich fragen, ob dies noch authentisch ist.SnapChat Stories sind ein vielversprechender Weg die Geschichte eines Unternehmens darstellen zu können. Hierbei kann man viele (kreative) Wege gehen, um über sich im Sinne der Nutzer und somit möglicher zukünftiger Bewerber zu berichten. Als Randbemerkung sei noch einmal erwähnt, dass SnapChat kein Selbstläufer ist. Nutzer müssen wissen, dass man hier aktiv ist.

Was bietet sich an:

  • Snaps von Live-Events wie Karriere- und Fachmessen: Wo steckt man gerade, wo ist der Stand zu finden? Wer sind die sympathischen Mitarbeiter vor Ort? Welche Vorträge gibt es, was hört man sich gerade an? Hier gibt es eine ganze Reihe von Eindrücken, die man in Stories teilen kann und den Nutzern somit suggerieren, dass sie dabei sind oder es sich lohnt selbst dabei zu sein.
  • Mitarbeiter-Take-Over: Wenn eine neue Stelle in einer Abteilung ausgeschrieben ist oder Azubis gesucht werden, dann können die Kollegen genau dieser Abteilung für ein paar Tage den Account übernehmen und von ihrer Arbeit und der Arbeitsatmosphäre snappen. So bekommen potentielle Kandidaten einen Einblick ins Unternehmen und davon, mit wem sie es zukünftig zu tun haben könnten.
  • Blick hinter die Kulissen: Ähnlich verhält es sich mit diesem etwas „intimeren“ Blick hinter die Kulissen des Unternehmens. Wie ist das Klima in der Firma, werden Geburtstage mit Kollegen gefeiert, gibt es gemeinsame Unternehmungen, wie läuft die Mittagspause ab, gibt es einen Dresscode? Viele Details vervollständigen das Bild und tragen auch dazu bei, dass ein Unternehmen als sympathisch empfunden werden kann. Man sollte sich nicht scheuen, diese Aspekte zu kommunizieren, schließlich arbeiten Menschen mit Menschen und das ist ein wichtiger Wohlfühlfaktor.
  • Exklusive Inhalte: Neue Stellen werden ausgeschrieben? Auf SnapChat kann es exklusive Einblicke geben und Follower können beispielsweise als erste darüber erfahren, bevor es die Infos auf Facebook und die gängigen Stellenbörsen schaffen.

 

Andere Wege gehen …

Daneben soll ein spannendes Feature nicht unerwähnt bleiben: SnapChat Filter. SnapChat bietet, wie bereits erwähnt, die Möglichkeit über Filter Fotos und Videos zu bearbeiten. Dies kann man sich beispielsweise über sogenannte Geofilter zu Nutze machen um die Bekanntheit seines Unternehmens zu steigern oder die Jobs- und Einstiegsmöglichkeiten zu bewerben. Dazu eignen sich nicht nur Events wie Karrieremessen, sondern beispielsweise auch Infotage an Universitäten (ein Geofilter für den Campus) oder wenn die letzten Schultage des Abiturjahrganges in der Heimatstadt anstehen – hier sind der Kreativität und dem Einfallsreichtum keine Grenzen gesetzt.

Beispielhaft seien hier Unternehmen aus der Banken- und Versicherungsbranche in den USA und Großbritannien genannt, die dieses Feature bereits für sich entdeckt haben. Der Vorteil dieser Variante liegt darin, dass man nicht über einen eigenen SnapChat Kanal verfügen muss, sondern kann die Vorteile des Netzwerkes fokussiert für sich nutzen.Ein Fazit?Grundsätzlich kann man festhalten, das SnapChat viele Möglichkeiten bietet um im Bereich des Ausbildungs- und Personalmarketings aktiv zu werden.

Sicherlich liegt immer viel Charme im „Neuen“, doch man sollte genau überlegen, wie und zu welchen Konditionen man sich mit SnapChat befassen möchte. Die junge Zielgruppe bewegt sich derzeit eindeutig hier, wenn man es geschickt versteht sie abzuholen und mit sich auf die Reise zu nehmen, kann SnapChat eine Bereicherung der eigenen Aktivitäten sein. Hat man nicht die erforderlichen Ressourcen oder mangelt es an Ideen und Enthusiasmus, sollte man lieber die Finger davon lassen, denn ein weiterer toter Social Media Account im Repertoire ist definitiv kein gutes Aushängeschild für das eigene Unternehmen.