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Erst vor wenigen Wochen habe ich mit Fritz Roth von Glassdoor gesprochen. Jetzt ist kununu dran. Unter anderem sprechen wir über neue Funktionen, Vorwürfe der Beeinflussung von Bewertungen und natürlich die Zukunft von Arbeitgeberbewertungsportalen.

 

Stell dich doch bitte kurz vor

Klar, gerne! Ich bin bei kununu für die Unternehmenskommunikation und Pressearbeit verantwortlich. kununu wurde 2007 in Wien gegründet und ist heute die größte Arbeitgeber-Bewertungsplattform in Europa. Basierend auf den Arbeitgeber-Bewertungen unserer User können wir Trends und Entwicklungen am Arbeitsmarkt ablesen und die Mitarbeiterzufriedenheit in Unternehmen, Branchen, Bundesländern oder Städten im Zeitverlauf analysieren.

 

Was gibt es bei Kununu so Neues? Man hat ja auf der Zukunft Personal einige Sachen hören / sehen können.

Ja genau! Wir haben auf der Zukunft Personal nicht nur unsere überarbeitete Startpage präsentiert, sondern auch ein komplett neues Feature vorgestellt, das – wie wir glauben – das Potenzial hat, die Arbeitswelt komplett zu verändern. Genauso, wie es kununu mit dem Launch vor 10 Jahren schon einmal gemacht hat. Künftig findet sich auf jedem Unternehmensprofil ein neuer Tab namens „Fragen“.

Hier haben User die Möglichkeit, ihre individuellen und detaillierten Fragen zu Arbeitgebern zu stellen und die Antworten direkt von denen zu bekommen, die es am besten wissen: Aktuelle und ehemalige Mitarbeiter, die das Unternehmen bereits bewertet haben, andere Bewerber, Freunde und Partner von Mitarbeitern – und natürlich auch Arbeitgeber selbst. kununu wird zu einer Community („kununity“), die Jobinteressierte mit anderen Usern und Insidern aus einem Unternehmen direkt verbindet. Das bedeutet: während die Bewertungen und Erfahrungsberichte der User weiterhin die Basis unserer Plattform bilden, ergänzen wir sie um eine relevante Informationsebene mit Echtzeit-Charakter. Denn wir wissen: Unsere User wollen nicht nur lesen, sondern auch konkrete Fragen stellen.

 

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Wie steht ihr zu dem Vorwurf, dass bei euch nur die „Frustrierten“ bewerten – es also kein ehrliches Abbild des Arbeitgebers geben kann?

Würden bei uns tatsächlich nur die Frustrierten bewerten, wäre der Großteil der Bewertungen negativ. Doch so unterschiedlich die Erlebnisse am Arbeitsplatz von Mitarbeitern sind, so unterschiedlich sind auch die Motive, den Arbeitgeber zu bewerten.  Das kann die Unzufriedenheit im Job genauso sein wie die Freude über ein neues Projekt oder ein Lob von den Kollegen. Diese Ausgewogenheit zeigt auch ein Blick in unsere Daten: 60 Prozent der Bewertungen sind positiv. Unsere Erfahrung zeigt aber, dass es gar nicht das Wichtigste ist, ob eine Bewertung positiv, neutral oder kritisch ausfällt. Entscheidend ist vielmehr der richtige Umgang damit – und das Signal, dass das Unternehmen das Feedback ernst nimmt.

Unternehmen haben ja die Möglichkeit, auf Bewertungen mit einer Stellungnahme zu reagieren, um ihre eigene Sichtweise darzustellen. Zu einer guten Unternehmenskultur gehört es auch, Kritik anzunehmen und daraus zu lernen – und am besten gleich dort, wo es alle sehen. Ich finde, eine konstruktive Stellungnahme zu einer Kritik ist eine viel stärkere Botschaft an die Mitarbeiter und Jobsuchenden als die schönste Imagebroschüre.

 

Wie geht ihr mit Mahnungen / Klagen / Unterlassungen von Arbeitgebern um? Kannst du ggf. eine Zahl nennen, wie viele Bewertungen ihr löschen müsst?

Wir löschen grundsätzlich keine Bewertungen, sondern nehmen sie wenn dann offline. Bei mehr als tausend neuen Bewertungen pro Tag sind wir für jeden Hinweis dankbar, reagieren auch schnell, sollte uns ein Fehler passiert sein. Aber: Wir wehren uns auch gegen ungerechtfertigte Beanstandungen. Wenn die moralischen und gesetzlichen Richtlinien eingehalten wurden, bleibt die Bewertung online. Dafür kämpfen wir. Der Anteil der Bewertungen, die wir offline nehmen müssen, beträgt weniger als ein Prozent. Wir raten Firmen vielmehr dazu, die kostenlose Funktion der Stellungnahme zu nutzen. Das ist in Zeiten sozialer Netzwerke der glaubwürdigste und effektivste Weg, mit Kritik umzugehen. Und zudem ein starkes Signal an Mitarbeiter und Bewerber, dass man das Feedback ernst nimmt. Kritik durch Ignoranz oder Klageandrohung dauerhaft aus der Welt zu bekommen, ist jedenfalls ein Irrglaube.

 

Was sagt ihr zu dem Gerücht, dass bei Kununu bezahlte Profile von Arbeitgebern eher von negativen Bewertungen befreit werden als alle anderen Profile?

Das nehmen wir natürlich sehr ernst, können es aber sofort entkräften. Denn in der Bewertungs- und Qualitätskontrolle machen wir keinen Unterschied, ob ein Unternehmen ein bezahltes Profil bei uns hat oder nicht. Das würde der Transparenz-Idee von kununu auch komplett widersprechen. Wir glauben an die Kraft der Vielfalt von Meinungen und Perspektiven, um sich ein möglichst differenziertes Bild von einem Arbeitgeber machen zu können. Mit jeder Bewertung, mit jedem Erfahrungsbericht, mit jeder Frage und jeder Antwort bekommt der User Informationen, die ihm bei der Entscheidungsfindung helfen.

 

Wie seht ihr eure Mitbewerberschaft zu Glassdoor? Seht ihr da überhaupt Konkurrenz?

Wir beobachten jegliche Marktentwicklung natürlich ganz genau, alles andere wäre auch unprofessionell. Wir begrüßen, dass das Thema Transparenz am Arbeitsmarkt mit jedem weiteren Player an Fahrt gewinnt. Konkurrenz belebt das Geschäft – und das ist gut so. Als Marktführer konzentrieren wir uns darauf, unseren Usern zu helfen, Entscheidungen zu treffen, die sie wirklich weiterbringen. Wir wollen die Plattform sein, die die ausgewogenste und authentischste Perspektive auf Arbeitgeber liefert.

Deshalb ist es für uns sehr wichtig, die Bedürfnisse unserer User und Kunden zu kennen und im engen Austausch mit ihnen zu stehen. Wir wissen, dass das Gehalt längst nicht mehr der einzige Motivationsfaktor am Arbeitsplatz ist. Geld motiviert nicht dauerhaft. Ein gutes Miteinander mit den Kollegen, ein attraktives Arbeitsumfeld und ein interessanter Aufgabenbereich sind auf lange Sicht genauso wichtig, um glücklich im Job zu sein. Aus diesem Grund fragen wir die Mitarbeiter- und Bewerberzufriedenheit in so vielen Dimensionen wie keine Plattform sonst. Wir haben die meisten Insights zu den meisten Unternehmen und helfen dabei jene Aspekte zu verstehen, die man sonst erst im Job erfährt. Und mit dem neuen Fragen-Feature hebeln wir das kollektive Wissen unserer kununity für den User nun noch besser.

 

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Wo wird die Reise von Kununu hingehen? Auf welche Maßnahmen kann man sich noch freuen?

Das Fragen-Feature, das wir auf der Zukunft Personal vorgestellt haben, ist der erste inhaltliche Schritt von kununu zu kununity. Auf unserem eigenen Profil (https://www.kununu.com/at/kununu/fragen-antworten) und auf jenen von XING kann es bereits getestet werden. In 6-8 Wochen wird es dann auf allen Unternehmensprofilen verfügbar sein. Dabei wird es nicht bleiben. Wir haben noch viel vor und werden bald noch weitere Produktneuheiten vorstellen. Zudem sind wir davon überzeugt, dass die Grundidee einer Arbeitgeber-Bewertungsplattform auf der ganzen Welt funktionieren kann. Deshalb sind wir vor einem Jahr gemeinsam mit Monster auch am US-Markt gestartet.

Und die ersten Ergebnisse signalisieren, dass es weitere internationale Märkte gibt, die einen hohen Bedarf nach Transparenz haben, wie nur kununu sie bietet. Nach dem ersten Jahr stehen wir bei 500.000 Bewertungen zu 60.000 Unternehmen, unsere Ratings werden auch auf Google for Jobs ausgespielt. Gleichzeitig arbeiten wir gerade an einem Spin-off von kununu und bauen hierfür ein Büro in Berlin auf. Mehr dazu werden wir in Kürze kommunizieren.