gallup-studie

Jährlich erwarten Manager und Führungskräfte etwas bang die neuesten Ergebnisse der Gallup-Studie. Für seinen „Engagement Index Deutschland“ befragt das gleichnamige Beratungshaus seit mittlerweile 17 Jahren über 1.000 Personen zu ihrer Motivation am Arbeitsplatz. In der Vergangenheit belegte die Erhebung ein ums andere Mal, wie schwer sich Chefs damit tun, ihre Mitarbeiter zu motivieren. In 2017 soll’s nicht anders gewesen sein, wie die aktuellste Erhebung bekundet. Doch es gibt auch Kritik an der Studie.

 

Jährlich erscheint die Gallup-Studie. Und jedes Mal wieder rauschen ihre Ergebnisse wie eine „Schockwelle“ durch die Medien. Dann machen Headlines wie „Führungskräfte sind der wahre Produktivitätskiller“ oder „Keine Motivation am Arbeitsplatz“ die Runde. Auch auf Messen oder Fachveranstaltungen werden die Zahlen der Gallup-Studie gerne in Keynotes und Vorträgen herangezogen. Vor allem HR-Experten nutzen sie, um den bestehenden Handlungsbedarf bei der Mitarbeiterorientierung aufzuzeigen.

 

Gallup-Studie: Das sind die Hintergründe

Der Hintergrund: Seit 2001 untersucht das Beratungshaus Gallup, wie hoch der Grad der emotionalen Bindung von Mitarbeitern an ihren Arbeitgeber ist und damit ihr Engagement und die Motivation bei der Arbeit. Aufgrund ihrer oft vernichtenden Urteile ist die Gallup-Studie in Managerkreisen mindestens ebenso heiß erwartet wie gefürchtet.

Auch die 2018er Ausgabe entpuppte sich für Chefs nicht als Grund zum Aufatmen. Ähnlich wie zwischen 2001 bis 2017 stellt ihnen die Gallup-Studie ein eher mieses Zeugnis aus. Die Erhebung legt nahe: Es bestehen nach wie vor große Probleme mit der Mitarbeiterzufriedenheit.

 

Gallup-Studie: Das sind die Zahlen

 

Die Fakten im Schnelldurchlauf:

  • Gerade einmal ein Fünftel der befragten Mitarbeiter fühlt sich dem eigenen Unternehmen emotional verbunden.
  • Nur 15 Prozent der Arbeitnehmer fühlen sich richtig wohl an ihrem Arbeitsplatz.
  • Mindestens ebenso viele Beschäftigte haben innerlich gekündigt.
  • Knapp drei Viertel der Befragten machen nur noch Dienst nach Vorschrift.

 

Die Gründe dafür bleibt die Gallup-Studie ihren Lesern nicht schuldig. Die Autoren zählen unter anderem die folgenden auf:

  • Schlechte Arbeitsbedingungen.
  • Eine schlechte Fehlerkultur.
  • Eine schlechte Führungskommunikation.

 

Die Folgen demotivierter Mitarbeiter

Die daraus resultierende Frustration der Mitarbeiter bleibt laut der Gallup-Studie nicht folgenlos. Wer sich emotional nicht auf seinen Arbeitgeber beruft, bringt schlechtere Leistungen und tendiert dazu, Dienst nach Vorschrift zu machen, statt sich mit neuen Ideen einzubringen.

„Das ist kein gutes Zeugnis für die Führungskräfte“, wird Studienautor Marco Nink in den Medien zitiert. Er warnt: Schlechte Führung drücke nicht nur auf die Motivation. Sie koste Unternehmen auch bares Geld. Bis zu 103 Milliarden Euro könnten Unternehmen laut Gallup mehr verdienen, wenn sie es verstünden, ihre Angestellten besser zu motivieren.

 

Interne Kommunikation: Warum sie sich verbessern muss

Unternehmenslenker und Führungsverantwortliche sollten diese Zahlen daher dringend zum Anlass nehmen, ihre Mitarbeiterführung zu überdenken, rät Studienautor Nink. Die wohl größte Stellschraube, dass sich etwas dreht, sieht er in der Art und Weise, wie in Unternehmen kommuniziert wird.

„Führungskräfte müssen sich vom Leistungskontrolleur zum echten Coach ihrer Mitarbeiter entwickeln“, rät Nink. Denn Angestellte sind besser ausgebildet denn je. Sie wollen und sollten ein Teil des großen Ganzen sein. Ansonsten ist die Gefahr groß, dass innovative Ansätze aus den eigenen Reihen ungehört verpuffen.

 

Mehr Handlungsspielräume für Mitarbeiter

Sein Team zu begeistern, in Pläne einzuweihen, seine Ideen zu hören und umzusetzen, statt ihm die Daumenschrauben anzuziehen, sei daher die neue Devise für Manager. Geben Chefs ihren Mitarbeitern eigene Handlungs- und Entscheidungsspielräume und vielfältige sowie auch vollständig bewältigbare Aufgaben, fördert das nachweislich die Motivation: Die Mitarbeiter wissen, warum sie etwas tun und welchem übergeordneten Ziel sie folgen. Das stiftet Sinn und erhöht die Bindung. Amerikanische Startups feiern mit dieser Bottom-Up-Denke längst enorme Erfolge.

In Deutschlands Unternehmen haben Chefs die Zügel hingegen meist mehr als fest in der Hand. Zu diesem Ergebnis kommt nicht nur Gallup, sondern auch eine zweite Studie aus der Feder von Manpower. Sie bestätigt: Mitarbeiter haben nur selten Freiheiten, ihre Ideen einzubringen und zu äußern. Gerade einmal jeder Dritte darf eigene Entscheidungen treffen. Nach wie vor ist die Angst vor Fehlern groß, die zu selten als Chance zum Lernen begriffen werden.

 

Mittel zu einer verbesserten internen Kommunikation

Laut Gallup hakt es vor allem an Mitteln zur internen Kommunikation, mit denen innovative Ideen von unten nach oben getragen werden können. Corporate Social Networks, interne Chats, Foren oder Wikis können zum Beispiel dazu beitragen, dass Mitarbeiter stärker zu Wort kommen, neue Ansätze skizzieren können und jedem verfügbar machen. Das setzt Potenziale für Neuentwicklungen frei.

Doch das, so die Autoren weiter, sei nur ein Schritt. Wirkliche Erfolge lassen sich erst dann erzielen, wenn auch die Kultur und das Mindset im Unternehmen auf den Prüfstand gestellt werden und bei den Verantwortlichen die Bereitschaft zu tatsächlichen Veränderungen vorhanden ist.

 

Kritik an der Gallup-Studie

Doch nur den wenigsten Unternehmen sei es bislang gelungen, zu definieren, was sie unter guter kommunikativer Führung verstehen. Spätestens an diesem Punkt gerät die Gallup-Studie in die Kritik. Logisch, dass die Studienautoren so etwas konstatieren, heißt es dann. Immerhin verdient Gallup sein Geld mit Führungskräfte-Trainings, in denen Chefs eine neue Vorstellung von Führung vermittelt werden soll.

Zugegeben – ein gewisses Geschmäckle ist dem nicht abzusprechen. Doch auch andere Erhebungen zeigen immer wieder: In deutschen Unternehmen herrscht alles andere als Friede, Freude, Eierkuchen. Die Zahlen fallen in der Regel nicht so drastisch aus wie in der Gallup-Studie, doch Recht geben sie ihr allemal.

 

AOK-Studie: Schlechte Stimmung im Büro macht Mitarbeiter krank

Kürzlich zeigte zum Beispiel eine AOK-Studie: Die schlechte Stimmung im Büro macht Mitarbeiter immer häufiger krank. Angestellte, die in ihrem Betrieb eine schlechte Atmosphäre erleben, leiden häufiger unter körperlichen und psychischen Beschwerden.

Sicherlich macht es einen Unterschied, ob sich laut Gallup nur 15 Prozent oder laut AOK doch 55 Prozent der Arbeitnehmer wohl in ihrem Job fühlen. Gut möglich, dass Manager die Aussagen der AOK etwas beruhigter hinnehmen als die von Gallup. Grund dazu haben sie aber eigentlich nicht. Denn eigentlich ist Handlungsbedarf bereits dann angezeigt, wenn es nur einen Mitarbeiter gibt, der Dienst nach Vorschrift macht und innerlich gekündigt hat.