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Eine kurze Aufklärung über das Bildungssystem in Deutschland. Dieser Beitrag dient vor allem der Information, da einige Personalmitarbeiter ein etwas antiquiertes Bild über unser Bildungssystem haben.

Grundlegendes zum Bildungssystem

Das Bildungssystem Deutschland unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht nicht groß von denen anderer europäischer Länder wie Frankreich oder Italien. Über die Besonderheiten, die Vor- und Nachteile sowie den Vergleich mit anderen Ländern (z.B. in Nordeuropa) soll dieser Artikel aufklären. Über Bildung wird in Deutschland in den jeweiligen Bundesländern entschieden, weswegen es auch innerhalb von Deutschland zu Abweichungen von der Norm kommen kann. In aller Regel besteht das Bildungssystem aus zwei Teilen: Der Grundschule und der weiterführenden Schule. Anschließend folgt der Weg in eine Ausbildung oder auf die Universität oder Fachhochschule zum Studium. Die Schulpflicht beträgt zehn Jahre.

Grundschule

Normalerweise besuchen alle Kinder, die bis zu einer bestimmten Frist das sechste Lebensjahr vollendet haben, nach dem Kindergarten die Grundschule. Hier bleiben sie vier Jahre und lernen Grundlegendes wie Lesen, Schreiben und Rechnen (Achtung Ausnahme: In Berlin sind es sechs statt vier Jahre). Mittlerweile gehören in den Grundschulunterricht auch Fächer wie Musik, Englisch, Sachkunde oder Biologie. Das variiert je nach Bundesland und Schule.

Ersatzschulen

Besondere Formen der Grundschule sind zum Beispiel Montessori- oder Waldorf-Grundschulen, bei denen verstärkt auf leistungsunabhängiges Lernen, Freiarbeit und die Individualität des Kindes Wert gelegt wird. Montessori- und Waldorf-Schulen können bis zum 18. Lebensjahr besucht werden und dort kann auch das Abitur abgelegt werden, da sie als staatliche Ersatzschulen anerkannt sind. Wie lange man eine solche Schule für das Abitur/ die mittlere Reife besuchen muss, ist regional unterschiedlich. Zudem gibt es noch Sonder- bzw. Förderschulen für körperlich oder psychisch behinderte Kinder oder Kinder mit bestimmten Lernschwächen. Mittlerweile entstehen aber auch immer mehr Integrationsschulen, mit wenigen behinderten Schülern pro Klasse. Vergleichbar sind solche Schulen mit Hauptschulen, die meisten Schüler erreichen auch diesen Abschluss.

Weiterführende Schulen

Nach der Grundschule folgt die weiterführende Schule. Das ist entweder eine Fortführung des Bildungsweges auf einer Waldorf-, Montessori- oder Förderschule oder in einer Regelschule. Dazu gehören Hauptschulen (werden teilweise abgeschafft), Realschulen, Gesamtschulen oder Gymnasien.

Einen Hauptschulabschluss macht man nach der neunten Klasse. Er kann also auch erreicht werden, wenn der Schüler eine Klasse wiederholen muss. Vergleichbar ist er mit dem Abschluss an der Volksschule in früheren Zeiten der Bundesrepublik. Rund 17 Prozent aller Schüler machen einen Hauptschulabschluss, knapp fünf Prozent allerdings gar keinen (laut Statistischem Bundesamt).

Ein Realschulabschluss – Mittlere Reife – wird nach 10 Jahren erlangt. In vielen Betrieben ist er Mindestvoraussetzung für eine Berufsausbildung. Mit knapp 44 Prozent ist er der am häufigsten gemachte Abschluss in Deutschland. Nach der Realschule steht es qualifizierten Schülern offen, zum Abitur auf eine Gesamtschule oder ein Gymnasium zu wechseln.

Gesamtschulen sind für alle da – im wahrsten Sinne des Wortes. Wenn nach dem letzten Schuljahr auf der Grundschule Lehrer einschätzen, welche Schulform die geeignetste ist, kann das Kind, egal mit welcher Empfehlung, auf eine Gesamtschule wechseln. Dort ist der Unterricht zunächst wie an einer Realschule, auf das Beenden des zehnten Schuljahrs ausgelegt. Man kann sich jedoch so qualifizieren, dass man auch an der Gesamtschule das Abitur ablegen kann. Im Unterschied zu den neusten Regelungen bei Gymnasien besucht der Schüler die Gesamtschule dreizehn Jahre bis zum Abitur.

Neuste Regelungen am Gymnasium besagen, dass bereits nach zwölf Jahren Schulzeit das Abitur abgelegt werden soll. Einige Schulen haben davon bereits wieder Abstand genommen, für den Großteil der Gymnasiasten ist das jedoch noch Alltag. Auch am Gymnasium kann die Schule nach der zehnten Klasse beendet werden. Allerdings ist der Unterricht am Gymnasium in der Regel darauf ausgelegt, die Schüler zum Abitur zu führen. Aufgrund der neuen Regelungen ist man am Gymnasium schon früher in der Oberstufe (den letzten drei Jahren, die ursprünglich die drei zusätzlichen Jahre nach der Mittleren Reife waren). Das Abitur bzw. die Allgemeine Hochschulreife erlangen in Deutschland knapp ein Drittel aller Schüler. Sie allein berechtigt zum Besuch einer Universität.

Besonderheit Berufsfachschule

Berufsschulen, Fachoberschulen oder Berufliche Gymnasien mit Schwerpunkt bieten die Möglichkeit, einen berufsspezifischen Abschluss zu machen – zum Beispiel das Fachabitur. Das Vollabitur kann in manchen Fällen auch an einer Berufsfachschule absolviert werden, dazu muss jedoch meistens bereits ein Fachabitur und eine mindestens zweijährige Berufsausbildung vorliegen. Mit einem einfachen Fachabitur kann man teilweise mit nachvollziehbarer Begründung auch studieren. Dann allerdings meist nur in dem jeweiligen Schwerpunktbereich.

Nach der Schule

Nach der Schule ist die Universität nur für jemanden mit Vollabitur zugängig. Gleiches gilt für Fachhochschulen. Prinzipiell jedem steht eine Berufsausbildung offen. Statistisch gesehen entscheiden sich jedoch zwischen 70 und 80 Prozent der Studienberechtigten für ein Studium und damit (vorerst) gegen eine Ausbildung. Stark im Trend liegen momentan duale Studiengänge, welche eine Ausbildung und das Studium verbinden. Die meisten der Absolventen mit Mittlerer Reife holen ihr Abitur nicht nach, sondern begeben sich in ein Ausbildungsverhältnis.

Kritik und Vergleich mit anderen Bildungssystemen

So viele gute Seiten das Bildungssystem Deutschland auch haben mag, so gibt es doch auch einige Kritikpunkte anzuführen: Besonders polarisiert, seit der Umstellung vor wenigen Jahren, das Zwölf-Jahre-Abitur. Es wird von vielen als unnötiger Druck im Schulalltag wahrgenommen. Auch das sogenannte „Arbeiterkinder“ und Kinder mit Migrationshintergrund statistisch weniger häufig ein Abitur machen oder ein Studium beginnen, wird häufig bemängelt. Im Gegensatz dazu stehen zum Beispiel Bildungssysteme wie in Skandinavien, die zum Beispiel erst nach der zehnten (statt vierten) Klasse selektiert werden und den Fokus auf den individuellen Schüler zu legen versuchen. Auch das Bildungsföderalismus, also die Entscheidung jedes Bundeslandes zur eigenen Bildungspolitik, wird oft kritisiert. Prinzipiell ist das deutsche Schulsystem auf Allgemeinwissen ausgelegt, erst mit Studium oder Ausbildung kann man sich wirklich spezialisieren.